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Modernisierungsblockaden in Wirtschaft und Wissenschaft der DDR: Entstehung und Folgen im innerdeutschen Vergleich und im Vergleich mit Nachbarländern in Ostmitteleuropa

Bundesministerium für Bildung und Forschung
2018-2022

In Deutschland ist es trotz des Aufbaus einer modernisierten Wirtschaft in den neuen Bundesländern nach mehr als 25 Jahren nicht gelungen, das Leistungs- und Wohlstandniveau der alten Bundesländer aus eigener Kraft zu erreichen (BMWi 2016). Seit dem Ende der 1990er Jahre stockt der wirtschaftliche Aufholprozess (SVR 1999), auch wenn es zwischenzeitlich Entwicklungsphasen gab, die den Anschein an eine weitere deutliche Verkürzung des Rückstandes erweckten (Ludwig 2017). Für die nur langsame Angleichung von Ost- und Westdeutschland werden in der Öffentlichkeit insbesondere zwei Ursachen verantwortlich gemacht. Zum einen werden sehr pauschal die Privatisierung der DDR-Betriebe durch die Treuhandanstalt und die daraus entstandenen strukturellen Folgen für das Unternehmertum in Ostdeutschland genannt. Zum anderen führt man die Entwicklungsprobleme auf die „Flurschäden der DDR“ (Paqué 2009) zurück. Die Erkenntnis darüber, inwieweit das Erbe der DDR konkret die wirtschaftliche Entwicklung in den neuen Bundesländern behindert, rückt in dem Maße in den Hintergrund, wie die zeitliche Entfernung vom Zeitpunkt der deutschen Vereinigung zunimmt. Hier sind Forschung und Politik gefordert, Pauschalierungen der Urteilsbildung entgegenzuwirken, denn andernfalls droht die Gefahr, dass sich die Tendenz der Polarisierung von Ost und West verfestigt.
Das wissenschaftliche Arbeitsziel des Verbunds besteht darin, die staatssozialistischen Modernisierungsblockaden in Wirtschaft und Wissenschaft der DDR zu identifizieren, ihre Wirkungen auf die vergangene realwirtschaftliche Entwicklung zu analysieren und ihren bis heute andauernden Einfluss auf die sozio-ökonomischen Disparitäten zwischen den alten und den neuen Bundesländern aufzuzeigen. Zur Vertiefung der Erkenntnisse beziehen die Analysen sowohl innerdeutsche Vergleiche als auch Vergleiche mit Nachbarländern in Ostmitteleuropa ein.

Die strukturellen und methodischen Arbeitsziele bestehen darin, den komplexen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen den Modernisierungsblockaden und den heutigen sozio-ökonomischen Disparitäten zu untersuchen. In den Teilprojekten sollen reale Ausprägungen der Modernisierungsblockaden und der sozio-ökonomischen Disparitäten im interdisziplinären Team methodenpluralistisch analysiert werden. Im Verbund sollen neben der Makroebene auch die systembedingten Handlungsorientierungen der Akteure auf der Mikroebene in Wirtschaft und Wissenschaft betrachtet werden. Gerade sie standen durch den Systemwechsel zur Disposition, als es galt, aus restringierten Handlungsträgern (z.B. von einem zentralen Plan gelenkten Betriebs- und Forschungsstätten) ein kreatives Unternehmertum und zivilgesellschaftliche Akteure zu entwickeln.

An der Einwerbung dieses Drittmittelprojekts ist die Forschungsgruppe „European Challenges: Technologischer Wandel und Re-Arrangements von Migration und Arbeit“ beteiligt, die durch das Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION mit Seed Money gefördert wird.
Projektbeteiligte am Center