Bedingte Teilhabe. Interaktive Praktiken der Differenzierung und Grenzziehung in interkulturellen Mediationen
Details
Projektleitung:
- Dr. des. Maria Klessmann (Akademische Mitarbeiterin, Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION)
Förderung:
Europa-Universität Viadrina
Projektbeschreibung:
Maria Klessmann hat ihre Dissertation zum Thema „Bedingte Teilhabe. Interaktive Praktiken der Differenzierung und Grenzziehung in interkulturellen Mediationen“ im November 2023 eingereicht und ihre Promotion mit der Disputation am 13. Juni 2024 erfolgreich abgeschlossen.
In ihrem Promotionsprojekt setzte sich Maria Klessmann mit Fragen sozialer Ausgrenzung von Rom*nja und Sinti*zze auseinander. Vor dem Hintergrund grenztheoretischer Überlegungen untersuchte sie die sprachliche Organisation interaktiver Grenzziehungsprozesse. Empirische Grundlage der Studie bildete die europäische Initiative ROMED, kurz für Mediation for Roma, die sich der Bekämpfung von Diskriminierung und der Verbesserung von Teilhabe- und Partizipationsmöglichkeiten der auch heute noch am stärksten ausgegrenzten ethnischen Minderheit Europas widmete. Die Initiative baute ein europaweites Netzwerk an Mediator*innen auf, die als Schnittstellen zwischen lokalen Rom*nja-Communities und öffentlichen Institutionen fungieren sollten. Über mehrere Jahre begleitete Maria Klessmann ROMED in Deutschland und legte dabei ein Augenmerk auf sogenannte Roma-Schulmediationen und Workshops von Community Action Groups.
Die verschiedenen Gesprächsformate bildeten ein komplexes und mehrsprachiges Gefüge, anhand dessen sich zwei grundlegende Perspektiven eröffneten: Einerseits wurde Partizipation in der Interaktion untersucht. Also danach gefragt, wie die untersuchten Interaktionen so gestaltet wurden, dass Beteiligung für die Teilnehmenden möglich gemacht wurde. Den zweiten Schwerpunkt bildete andererseits die Perspektive auf das Sprechen über Partizipation und Teilhabe. Wie werden diese Themen in den Gesprächen adressiert, welches Wissen bringen die Interagierenden darüber ein oder stellen es gemeinsam her? Durch die Verschränkung der beiden Perspektiven konnte die Untersuchung zeigen, wie sich die mangelnden Beteiligungsmöglichkeiten auf die Ausgestaltung der Themen auswirkten. Die Rekonstruktion der interaktiv gefestigten Gesprächsrollen, der hergestellten Diskursmacht, des explizierten Wissens über institutionelle Praktiken sowie eines unidirektionalen Integrationsverständnisses hat gezeigt, wie bereits bestehende vulnerable Positionen fortgeschrieben, soziale Grenzen stabilisiert und ungleiche Machtverhältnisse untermauert werden.
Die Studie zeigt zudem den Bedarf für differenzierte und differenzsensibilisierende Vermittlungs- und Beteiligungsformate im Zusammenhang gesellschaftlicher Ausdifferenzierung. Insbesondere Vermittelnde in Fragen von Teilhabe und Partizipation müssen für Differenz sensibilisieren und sensibilisiert sein. Daraus erschließt sich wiederum, wie die Partizipation von Selbstorganisationen im Umgang mit Behörden sowie Schüler*innen und ihren Eltern im Umgang mit Lehrkräften verbessert und die Positionen Diskriminierungsbetroffener gestärkt werden können.
Die Dissertation erscheint 2025 im NOMOS Verlag in der Schriftenreihe Border Studies. Cultures, Spaces, Orders.